Freitag, 13. September 2013

Junge Stars und alte Sternkundler

Ludger ("Club am Donnerstag"-Organisator) und Matthias
repräsentieren die ehemalige Dorfjugend Bergedorfs.
Bergedorfs Live-Musikszene ist zumindest an einem Abend pro Woche sehr lebendig, und zwar am Donnerstag. Da finden gleich mehrere Konzerte an verschiedenen Locations statt und man könnte sich dreiteilen (dafür ist am Wochenende, wo ja angeblich "eh überall was los ist" kaum ein Event). Ich bin aber sehr leicht beeinflussbar und richte mich nach den Empfehlungen der vertrauenswürdigen Menschen in meinem Umfeld. Darum habe ich gestern den Gitarristen der Leningrad Cowboys mit seinem Solo-Programm versäumt (was nicht weiter schlimm ist, weil ich die Leningrad Cowboys schon mehrfach in Wien versäumt habe und darüber nicht sonderlich traurig bin). Dafür wurde ich von Matthias zum "Club am Donnerstag" mitgenommen, wo die Band Micky & the Motorcars auftrat. Sehr gute Stimmung, tolle Band, allerdings war das Durchschnittsalter des Publikums ungefähr bei dem der Eltern von Micky & the Motorcars angesiedelt. Da kommt man von den USA nach Hamburg und dann spielt man quasi bei einem Elternabend - ob das der Plan war?

Guter Geist II Uli und die Pianistin Heike
Ich hatte jedenfalls meinen Spaß, auch die Bierempfehlung (König Ludwig) meines Begleiters stellte sich als sehr gelungen heraus. Bisschen stark war das Bier, bisschen sehr stark. Beim Rauchen auf der als "Biergarten" bezeichneten Holzterrasse lernte ich wieder ein paar Leute aus der Region kennen. Da war ich aber schon nicht mehr frisch, eher schon BREGENKLÖTERIG (Dank an Frau Hülsmeyer, die mir dieses tolle Wort beigebracht hat), und konnte dieses Wort selbst schon fast nicht mehr aussprechen.
Zum Glück hat mich Uli (guter Geist II) wieder nach Hause gebracht (Das Fahrrad musste allein im Schloss übernachten).


Ohne Fahrrad war ich heute in der Früh also zu Fuß unterwegs. Das war auch ganz gut, nachdem ich ja noch etwas wackelig war nach der gestrigen Begegnung mit König Ludwig. Herr Kult erwartete mich bereits inmitten von Hochzeitsgästen (8 Paare waren es heute, dank des Datums, Freitag der 13.) und ich holte das Rad und wir radelten zur Sternwarte hinauf.






Herr Kult mit seinem Modell.
Ein zauberhafter Ort und sehr geschichtsträchtig. Die Sternwarte beherbergt das Original des legendären Schmidt-Spiegels und viele Dokumente und Aufnahmen von Sternen, Nebeln und allem anderen Gedöns, das im Weltall so herumfliegt. (Der letzte Satz beweist eindrucksvoll mein gigantisches astronomisches Insider-Wissen.) Ich war ja vorher noch nie in einer Sternwarte und war sehr beeindruckt von der Anlage und der Technik und der Akribie, mit der dort seit 100 Jahren geforscht wird.

Aber damit nicht genug: Dort steht auch ein 1:10 Modell des Hamburger Zeitballs, das Herr Kult in eineinhalb Jahren Arbeit detailgenau nachgebaut hat - ohne Bauplan des Originals! Und es funktioniert sogar! Ich habe endlich verstanden, wie Astronomie und Schifffahrt zusammenhängen und dass es in früherer Zeit eine große Herausforderung war, sich auf eine gemeinsame Uhrzeit zu einigen. (Bekanntlich gab es ja damals auch mehrere Zeitrechnungen mit Jahren (!) Unterschied)

Die größte Sensation meines Besuchs in der Sternwarte war aber zweifelsohne die Begegnung mit Lubos Kohoutek, der - mittlerweile 78-jährig - noch immer täglich in der Sternwarte forscht und dokumentiert. Seine Forschungsergebnisse teilt der gebürtige Tscheche mit Wissenschaftlern in aller Welt und publiziert, wie es sich gehört, auf Englisch. Wir hatten das Glück, ihn anzutreffen und die Ehre, von ihm persönlich durch das Gelände geführt zu werden. In seinem Büro entschuldigte sich der zuvorkommende Herr sogar höflich für das viele Papier, das sich dort stapelt!

Lubos Kohoutek - ein WACHER GEIST, eine lebende Forscherlegende und noch dazu ein sehr netter und bescheidener Mann. Nach ihm wurden mehrere Kometen, ein Asteroid und damit in der Folge diverse Songs (u.a. von Kraftwerk und R.E.M. - siehe unten) benannt - wer kann das schon von sich behaupten?

1 Kommentar:

Charlene Wolff hat gesagt…

Den Club am Donnerstag besuche ich auch oft. Hab auch schon Artikel drüber veröffentlicht. Tolle Möglichkeit, zu recht bezahlbaren Preisen tolle Live Musik zu erleben. Ich stehe besonders auf weibliche Stars.